Die Kolonisation Mallorcas durch Pflanzen und Säugetiere
Durch die wechselvolle geologische Entstehung der Mittelmeerregion spielt das Klima für die mallorquinischen Flora und Fauna eine wichtige Rolle. Fast während des gesamten Tertiärs, vor Beginn der Messinischen Salinitätskrise, herrschten im Mittelmeergebiet tropische Klimabedingungen, die langsam umschlugen in zunehmend heißtrockene Verhältnisse während der Salinitätskrise.
Nach ihrem Ende dominierte für 2 Mio. Jahre erneut ein warmes, sommerfeuchtes Klima. Eine Rekonstruktion der Vegetationsbedingungen in dieser Zeit lässt auf die Verbreitung immergrüner, hartlaubiger und breitblättriger Lorbeerwälder schließen, vergleichbar den heutigen Wäldern in Südostchina.
Vor 2,8 Mio. Jahren hatte sich das Klima, das wir heute als typisch mediterran bezeichnen, im gesamten Mittelmeerraum, überall auf Mallorca, beispielsweise auch in Cala Ratjada oder Cala Millor, etabliert.
Die Ursprünge von Flora und Fauna auf Mallorca sind sehr alt. Sie bildeten sich auf den im Zuge der Kollision von Afrika und Europa entstandenen tektonischen Mikroplatten. Auch die gegenwärtige Fauna Mallorcas ist ein erdgeschichtliches Erbe. Während der Salinitätskrise ist es Tierarten gelungen, die heiße Salzwüste vom Festland aus zu überqueren und in Mallorca einzuwandern – darunter auch die Vorfahren von Ziegen einer bestimmten Gattung.
Mit einer Schulterhöhe von 60 cm und einem Gewicht von 70 kg waren sie die größten Säugetiere, die nach der Isolierung Mallorcas als Insel und vor der Ankunft des Menschen jemals hier lebten. Der letzte von insgesamt fünf Vertretern dieser Gattung, die sich im Verlauf der Erdgeschichte aus diesen Vorfahren auf Mallorca und Menorca entwickelten, war Myotragus balearicus. Im Vergleich zu Ziegenarten des Festlandes zeichneten sie sich durch Kleinwüchsigkeit (Nanismus) aus. Nanismus ist ein typisches Inselphänomen und eine Anpassung an nur begrenzt vorhandene Nahrungsressourcen. Ihre einstige Existenz wurde erst im Jahr 1908 durch Knochenfunde eines Archäologenteams in der Höhle Cova de Muleta zwischen Deiá und Sóller entdeckt. Daneben existierten nur noch zwei kleinere Säugetiere: eine insektenfressende Spitzmaus (Asoriculus hidalgoi) und eine Haselmaus (Eliomys morpheus).
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